Forschungsprojekt: Moral Distress in der Intensiv- und Notfallmedizin und spirituelle Ressourcen (MD_INSpir)

Lesen Sie hier mehr über unsere Mixed-Methods-Studie über Spiritualität als mögliche Resilienz-Quelle bei "Moral Distress".

Ansprechpartner:

Prof. Dr. Eckhard Frick

Dr. Violet Handtke

 

Beteiligte Zentren:
  • St.-Antonius-Hospital Eschweiler,
  • München Klinik Bogenhausen,
  • Uniklinik Köln,
  • Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf
  • Universität Witten/Herdecke

 

Kooperationspartner:
  • Prof. Dr. Uwe Janssens
  • Prof. Dr. med. Guido Michels
  • Prof. Dr. med. Christoph Dodt
  • Priv.-Doz. Dr. Matthias Kochanek
  • PD Dr. Olaf Boenisch
  • Prof. Dr. med. Arndt Büssing

Die Studie:

Mitarbeitende in der Intensiv- und Notfallmedizin sind täglich mit besonderen Herausforderungen konfrontiert, z. B. mit Sterben und Tod, Entscheidungsdruck ohne eindeutige Grundlage oder Über- und Unterversorgung. Das führt auch oft zu moralischen Konflikten. Sogenannter "Moral Distress" tritt dann auf, wenn die Rahmenbedingungen daran hindern, entsprechend der eigenen moralischen Vorstellungen zu handeln. Die Folge: Demoralisierung, die sich in verringerter Arbeitszufriedenheit, innerer oder äußerer "Kündigung" und sogar im Berufsausstieg manifestieren kann. In unserer Studie untersuchen wir, inwiefern Spiritualität eine mögliche Ressource sein kann, um mit moralischen Konflikten umzugehen. Wie hoch ist die Belastung durch Moral Distress? Welche spirituellen Bedürfnisse (und Ressourcen) bestehen? Welche Unterstützungsmöglichkeiten gibt es? Mit den Erkenntnissen dieser Studie sollen Menschen in ähnlichen Situationen besser unterstützt werden können.

Methodik: Im Rahmen einer multizentrischen Mixed-Methods-Studie erfolgte in einer ersten Forschungsphase eine quantitative Befragung. Deren Ergebnisse flossen anschließend in die Konzeptualisierung einer zweiten qualitativen Phase ein. Aktuell werden in dem Rahmen qualitative Interviews geführt. Die Zielgruppe sind Mitarbeitende in der präklinischen und klinischen Notfallmedizin und Intensivmedizin im deutschsprachigen Raum.

Laufzeit: 02/2022 bis 04/2023

Förderung: ?

 

Violet Handtke über das Projekt:

Mit wem sprichst Du im Rahmen der qualitativen Studie?

"Uns ist wichtig, in den qualitativen Interviews ein möglichst breites Erfahrungsbild abzubilden. Daher sprechen wir mit möglichst unterschiedlichen Akteuren aus der Intensiv- und Notfallmedizin. Neben Ärzt:innen und Pflegenden interviewe ich z. B. auch Mitarbeitende, die in der Physiotherapie und Psychotherapie arbeiten. Dabei wenden wir bewusst eine recht offen gestaltete Interviewform an, die sich zwischen einem narrativen Interview und einem problemzentrierten Interview bewegt."

Was fandest du bisher besonders spannend an diesem Projekt?

"Sehr eindrücklich waren meine Erlebnisse während einer Hospitation in der Intensiv- und Notfallmedizin, die ich als Vorbereitung der Interviewphase durchlaufen habe. Mir ist ausgefallen, wie wenig Ressourcen von den Rahmenbedingungen her überhaupt zur Verfügung stehen. Das war für mich schon eine Überraschung - angesichts eines Arbeitsfeldes, in dem man ständig mit existenziellen Situationen konfrontiert ist. Ich war zuvor als Forscherin in der Palliativmedizin tätig, wo ich es anders erlebt habe. Dort gab es z. B. Fallbesprechungen oder Supervisionen. Das bedeutet, Mitarbeitende in der Intensiv- und Notfallmedizin müssen in der Regel komplett auf ihre eigenen Ressourcen zurückgreifen - die sie mitbringen oder eben auch nicht. Das war schon eine sehr wichtige erste Beobachtung."

Video: Antrittsvorlesung von Professor Eckhard Frick

Sehen Sie hier die akademische Antrittsvorlesung von Professor Dr. med. Eckhard Frick sj am 5. Mai 2022 zum Thema "Moral Distress in der (Post-)Pandemie".

YouTube
YouTube