Forschungsprojekt
"The Pause"
Erste Ergebnisse des Forschungsprojekts - auf Deutsch
(Präsentation: Dr. rer. pol. Ruth Mächler)
First findings of the research project - in English >>
(Presentation: Dr. rer. pol. Ruth Mächler)
Schweigeminute nach Versterben eines Menschen auf der Intensivstation
Eine Studie zur Verbesserung der Lebensqualität und des Work-Engagement des
intensivmedizinischen Personals
Zusammenfassung: Das Konzept einer einminütigen Schweigeminute nach dem Tod eines Patienten (in der Literatur als „PAUSE“ bekannt) wird in internationalen Studien, vor allem im amerikanischen Raum, als förderlich für das psychische Wohlbefinden des Personals beschrieben (Bartels 2014; Kapoor et al. 2018; Ducar & Cunningham 2019; Welch et al. 2022; Webb et al. aop). Diese Studie zielt darauf ab, die Machbarkeit und Wirkung einer solchen Schweigeminute in München zu untersuchen.
In einem zweistufigen Studiendesign wird zunächst die Bereitschaft des medizinischen Personals zur Einführung der Schweigeminute erfasst (Stufe 1), gefolgt von der clusterrandomisierten Implementierung und Überprüfung der Intervention (Stufe 2). Wir analysieren den Einfluss der Intervention auf die Lebenszufriedenheit und das Work-Engagement.
Die Ergebnisse können Hinweise auf die Machbarkeit und den Nutzen einer Schweigeminute in Deutschland geben und das Potenzial dieser Intervention zur Verbesserung der Lebenszufriedenheit und das Work-Engagement des Intensivpersonals beleuchten.
Hintergrund: Vor allem im US-amerikanischen Raum existieren bereits einige Studien und Metaanalysen zur Durchführbarkeit und Motivation der sogenannten PAUSE. Nachdem es dem Begründer dieser Maßnahme, Jonathan Bartels (Pflegekraft in der Notaufnahme des UVA Health University Hospital) gelang, auch andere Mitarbeitende für dieses Konzept zu gewinnen, begannen mehrere Abteilungen und Kliniken in den USA, diese als PAUSE bezeichnete Schweigeminute
einzuführen (Bartels 2014). Nach unserem Wissen gibt es bisher jedoch keine Studie, die dieses Konzept in deutschen Krankenhäusern untersucht hat.
Zielsetzung: Diese Studie untersucht die Wirkung einer Schweigeminute auf die Lebenszufriedenheit und auf das Work-Engagement des Personals auf Intensivstationen in deutschen Kliniken. Es werden sowohl die Akzeptanz als auch die Wirkung der Intervention erforscht.
Methode: Die Studie folgt einem zweistufigen Design:
- Stufe 1: Erfassung der Bereitschaft zur Einführung der Schweigeminute durch qualitative Leitfaden-Interviews.
- Stufe 2: Clusterrandomisierte kontrollierte Implementierung der Schweigeminute und quantitative Erhebung von Work-Engagement und Lebenszufriedenheit.
Einschlusskriterien: Eingeschlossen sind alle Intensivstationen (Erwachsene und Neonatologie) der universitären, städtischen, kirchlichen und privaten Kliniken in München. Die Studienpopulation umfasst ärztliche Direktion, Pflegedienstleitungen, Chefärztinnen und -ärzte, Oberärztinnen und -ärzte, Fachärztinnen und -ärzte, Ärztinnen und Ärzte in Weiterbildung, pflegerisches Personal, Physiotherapeutinnen und -therapeuten, Studierende und Auszubildende.
Intervention: Die Intervention besteht in der Einführung einer einminütigen Schweigeminute, die vom anwesenden Personal (und ggf. Angehörigen) nach dem Versterben eines Patienten/einer Patientin gehalten wird.
Datenerhebung:
- Qualitative Erhebung (Stufe 1): In der ersten Stufe führen wir Leitfaden-Interviews mit Mitarbeitenden unterschiedlicher Berufsgruppen durch, um deren Akzeptanz für die Schweigeminute zu untersuchen. Die Interviews werden ausgewertet, um Einblicke in die Machbarkeit und mögliche Bedenken zu gewinnen.
- Quantitative Erhebung (Stufe 2): Die teilnehmenden Stationen werden zufällig in Interventions- und Kontrollgruppen aufgeteilt. Über eine mobile App werden über 2 Monate hinweg regelmäßig standardisierte Fragebögen zur Lebenszufriedenheit und zum Work-Engagement ausgefüllt (Pavot & Diener 1993; Seppälä et al. 2009).
Ethik und Genehmigungen: Die Studie wurde von der Ethikkommission der TU München genehmigt, und alle Teilnehmenden geben vor Beginn eine
informierte Einwilligung ab. Die Daten werden anonymisiert und gemäß den Datenschutzrichtlinien behandelt.
Diskussion: Diese Studie untersucht ein in Deutschland neues Konzept, das sich in den USA als vorteilhaft für das intensivmedizinische Personal erwiesen hat. Zu den Herausforderungen gehören möglicherweise die unterschiedliche Bereitschaft zur Teilnahme und die Integration der Intervention in den Arbeitsalltag. Sollte sich die Schweigeminute als vorteilhaft herausstellen, könnte sie als einfache und kostengünstige Methode zur Verbesserung der Arbeitsumgebung auf Intensivstationen etabliert werden.
Finanzierung und Interessenkonflikte: Es bestehen keine Interessenkonflikte. Eine Finanzierung ist nicht vorgesehen.